Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen: lohnt sich das?
Von Florian Hörning, Gründer von Finance Made Simple, Spiegel-Bestseller-Autor · Stand 16. Oktober 2026
Kurz gesagt
Ja, ab dem 1. Januar 2027 lässt sich ein Riester-Guthaben in ein Altersvorsorgedepot übertragen, ohne dass Zulagen zurückgezahlt werden. Das lohnt sich vor allem bei jungen Verträgen mit hohen Kosten und niedrigem Garantiezins. Alte Verträge mit 2,25 Prozent Garantiezins oder mehr bleiben oft besser, denn Garantien und Rechnungszins fallen beim Übertrag weg.
Was beim Übertrag passiert
Das gesamte gebildete Kapital deines Riester-Vertrags wandert in einen neuen, zertifizierten Altersvorsorgevertrag. Weil das Geld direkt von Vertrag zu Vertrag geht, gilt das nicht als Kündigung. Zulagen und Steuervorteile bleiben erhalten.
Was du dabei aufgibst: die Garantien des alten Vertrags. Riester-Verträge garantieren mindestens die eingezahlten Beiträge und Zulagen, ältere Rentenversicherungen zusätzlich einen Garantiezins und einen festen Rentenfaktor. Das alles endet mit dem Übertrag. Bereits gefördertes Kapital wird im neuen Depot außerdem nicht ein zweites Mal gefördert.
Wann sich der Übertrag lohnt und wann nicht
Drei Zahlen aus deiner Standmitteilung entscheiden: Garantiezins, laufende Kosten und das bereits gebildete Kapital.
- Eher übertragen: Vertrag nach 2015 abgeschlossen, Garantiezins 1,25 Prozent oder weniger, hohe laufende Kosten, noch viele Jahre bis zur Rente.
- Eher behalten: Vertrag vor 2012 mit 2,25 Prozent Garantiezins oder mehr, niedrige Kosten, weniger als fünf Jahre bis zur Rente.
- Oft der Mittelweg: alten Vertrag beitragsfrei stellen und nur neue Beiträge ins Altersvorsorgedepot lenken. Dann bleiben die alten Garantien für das bisherige Kapital erhalten.
Was der Übertrag kostet
Die Wechselkosten sind gesetzlich gedeckelt. Nach heutigem Stand darf der alte Anbieter höchstens 150 Euro verlangen, und das nur, wenn der Vertrag jünger als fünf Jahre ist. Auch der neue Anbieter darf für den Übertrag nur eine begrenzte Pauschale nehmen.
Der größere Kostenblock ist meist unsichtbar: Abschlusskosten, die der alte Versicherer bereits verrechnet hat, kommen nicht zurück. Sie sind bezahlt, egal ob du überträgst oder nicht. Für die Entscheidung zählt deshalb nur, was ab heute besser läuft.
So läuft der Übertrag ab
Den Auftrag gibst du beim neuen Anbieter, nicht beim alten. Der alte Anbieter muss nicht zustimmen, darf aber eine Frist von bis zu drei Monaten zum Monatsende vorsehen.
- Standmitteilung heraussuchen und Garantiezins, Kosten und Kapital prüfen.
- Zertifiziertes Altersvorsorgedepot oder Versicherungstarif auswählen (ab 1. Januar 2027).
- Übertragungsauftrag beim neuen Anbieter stellen.
- In der ersten Jahresbescheinigung prüfen, ob das Kapital als gefördert geführt wird.
Die eine Entscheidung, die sich nicht zurückdrehen lässt
Sobald du im Altersvorsorgedepot Zulagen abrufst, ist die Riester-Förderung für den alten Vertrag weg. Das gilt auch, wenn du den alten Vertrag gar nicht überträgst. Deshalb gehört die Riester-Frage vor jeden Abschluss, egal ob beim Neobroker oder bei uns.
Heute musst du nichts entscheiden
Die fertigen Produkte gibt es erst ab dem 1. Januar 2027, viele werden noch zertifiziert. Erst verstehen, dann in Ruhe wählen.
Häufige Fragen
Muss ich beim Übertrag Zulagen zurückzahlen?
Nein. Wenn das Kapital direkt in einen zertifizierten Altersvorsorgevertrag übertragen wird, bleiben Zulagen und Steuervorteile erhalten. Zurückzahlen musst du nur bei einer Kündigung mit Auszahlung.
Ab wann kann ich Riester übertragen?
Ab dem 1. Januar 2027, sobald zertifizierte Produkte da sind. Heute musst du nichts tun, dein Vertrag läuft einfach weiter.
Kann ich Wohn-Riester übertragen?
Nein. Das Kapital steckt in der Immobilie, ein Übertrag des Wohnförderkontos ist nicht vorgesehen.
Kann ich nach dem Rentenbeginn noch übertragen?
Nein. Läuft die Auszahlung schon, ist ein Übertrag nicht mehr vorgesehen.
Die Anbieter gestalten die Übertragsdetails noch aus. Stand Oktober 2026, keine Rechts- oder Steuerberatung.